Entwicklung von Schulungs- und Trainingsstrukturen

Welche Vorteile es gibt, ein pädagogisches und effektives Schulungs- und Trainingskonzept auszuarbeiten und aufrechtzuerhalten? Was sind die drei wichtigsten Merkmale eines pädagogischen und effektiven Schulungs- und Trainsingskonzeptes?

Keywords: Active Learning Course Design – Blended Learning – Constructive Alignment (Biggs) – Inclusive Course Design – Cognitive Enhancement – Epistemology Variation


Vorteile einer pädagogischen und effektiven Schulungs- und Trainingsstruktur

Weiterentwicklung und Veränderung sind unsere ständigen Begleiter, um uns an verschiedene Aufgaben und Herausforderungen im Leben anpassen zu können.

Schulung und Training sind bei vielen Organisationen das Mittel, um ihre Mitarbeiter für gegenwärtige und zukünftige Aufgaben und Herausforderungen zu qualifizieren.

Eine Schulungskonzept pädagogisch and effektiv zu gestalten, hat dabei mehrere Vorteile:

  • Eine Struktur stellt sicher, das Schulungen und Trainings systematisch und nach klar definierten Kriterien erfolgen, und
  • Beim Einbezug psychologischer Erkenntnisse über wie Menschen am besten lernen und sich entwickeln (=Pädagogik), wird die Schulungs- und Trainingsstruktur effektiver. Das kann sich unter anderem so äussern, dass
    • der Einzelne sein Lernvermögen steigert und somit schneller und solider lernt, sich besser an Veränderungen in seinem Arbeitsumfeld anpassen kann, eine höhere intrinsische Motivation hat, und
    • die Organisation durch ihre Mitarbeiter leistungsfähiger und agiler und somit innovativer und konkurrenzkräftiger wird.

Entwicklung eines pädagogischen und effektiven Schulungskonzeptes

Um die ersten Schritte von einer Vision zu einem konkreten, umsetzbaren pädagogischen und effektiven Schulungskonzept an der Universität Karlstad (SE), zu machen, habe ich folgende Fragen als Ausgangspunkt benutzt:

  1. Was oder wer kann sich eigentlich verändern bzw. weiterentwickeln,
  2. Was macht eine Schulung und ein Training erstrebenswert für
    • den Einzelnen;
    • die Organisation (wenn ich mit Organisation die Komplexität und Dynamik verstehe, die sich aus ihren Mitarbeitern, deren Persönlichkeiten, Fähigkeiten sowie die Relationen und Kommunikationsstrukturen zwischen diesen Mitarbeitern, den Arbeitsprozessen und -strukturen verstehe), und
  3. Wie viel muss sich eigentlich verändern, damit eine Schulung oder ein Training erfolgreich ist und wer bestimmt darüber, was als erfolgreich anzusehen ist?

Wie in jeder Organsation, gibt es ausserdem noch juridische und organisatorische Rahmenbedingungen bei der Konzeption eines pädagogischen und effektiven Schulungskonzeptes zu beachten. Die Rahmenbedingungen für die Konzeption eines Lern- und Entwicklungskonzeptes im Fachbereich Psychologie an der Universität Karlstad (SE) bildeten die nationalen Prüfungsziele für die Bachelorausbildung (lt. Högskoleverket, 2013a) und der Unternehmensplan der Universität Karlstad.

Ausgehend von diesen Rahmenbedingungen, nebst den den eingangs erwähnten Fragestellungen, war die Fragestellung wie die Wissens- und Fähigkeitsprogression für ein pädagogisches und effektives Schulungskonzept aussehen muss, wesentlich. Eine weitere Frage war, wie wir sicherstellen können, dass Entwicklung von Wissen, Fertigkeiten und Verhaltensweisen, Bestand haben kann und dazu noch messbar ist (kurz: Reliabilität und Validität).

Ausgangspunkte

Um zu verstehen, was effektives Lernen ist und was pädagogischen Unterricht ausmacht, habe ich in Zusammenarbeit mit Lars M. Eriksson und Helena Hennigson untersucht. Das Resultat ist im Bericht Psychologie für effektives Lernen zusammengestellt.

Mit Hilfe des Berichts konnte ich so Unterrichtsformate, Praktiken und eine spezifische Kursstruktur in die Konzeption des Schulungskonzeptes einfliessen lassen, bei denen wissenschaftlich die Wirksamkeit belegt ist.

Die wichtigsten Merkmale eines pädagogischen und effektiven Schulungskonzeptes

Merkmal 1: Verschiedene epistemologische Theorien in der Konzeption (und Durchführung) anwenden (Blended Learning) => Variation im Unterricht => flächendeckender Lernprozess

Unterricht, der sich auf verschiedene erkenntnistheoretische (= epistemologische) Annahmen (Bild 2 unten) wie wir etwas Lernen, stützt, ist effektiver, da ein flächendeckender Lernprozess sichergestellt wird.


Bild 1. Epistemologische Annahmen zu Lernen und Wissen dargestellt in einer Vektorfläche (angepasst nach Murphy et al., 2012)

Dabei habe ich als Lehrer/Ausbilder die Verantwortung, die erkenntnistheoretische Theorie für meinen Unterricht zu wählen, die für das sich zu erwerbende Wissen geeignet ist. Ich kann also nicht überall nur die Annahmen des Behaviorismus oder des sozialen Konstruktivismus für eine Schulung oder ein Training zugrundelegen, sondern muss mir im Klaren sein, welche Theorie die am besten geeignete ist.

Eine Vorlesung basiert meistens auf mehreren epistemologischen Gründen, während ein Seminarium in dem es zum Beispiel um interkulturelle Kompetenz geht, sich auf sozialen Konstruktivismus und soziokulturellen Grund basieren kann.

Merkmal 2: Praktiken in der Konzeption anwenden, die eine Verbesserung des Gedächtnisses, des Lernens, der Metakognition und der Selbsteinschätzung nachhaltig fördern (Active Learning Course Design)

Im folgenden stelle ich Ihnen eine Auswahl an Praktikten vor, die ich bei der Konzeption des Schulungskonzeptes an der Universität Karlstad berücksichtigt habe.

Verbesserung der Gedächtnisleistung durch folgende Praktiken:

Bild 2.1. Improve memory consolidation of key concepts (aus (c) Friedl & Eriksson, 2017).

Verbesserung der Lernleistung durch folgende Praktiken:

Bild 2.2. Improve learning by focusing on ability to control study effort and improve task management (aus (c) Friedl & Eriksson, 2017).

Verbesserung der Selbsteinschätzung durch folgende Praktiken:

Bild 2.3. Bridging the gap between what is learned and what is to be learned (aus (c) Friedl & Eriksson, 2017).

Mit Hilfe dieser Praktiken lässt sich jede Unterrichtseinheit gestalten. So kann eine Unterrichtseinheit mit einem kursen Wissenstest anfangen, um zu sehen, wie viel die Teilnehmer über das Thema wissen. Eine andere Unterrichtseinheit kann mit einer Wiederholung der wichtigsten Begriffe und Konzepte abschliessen.

Merkmal 3: Konkrete Ziele, klar verständliche Grundlagen (Constructive Alignment nach Biggs)

Die meisten Schulungen und Trainings gehen von Zielen aus, die erreicht werden sollen. Meistens sind diese Ziele sehr abstrakt formuliert. Schon in der Konzeption ist es wichtig, abstrakte Ziele in konkrete und damit erreichbare und messbare Teilziele zu operationalisieren. Ein Beispiel zur Konkretisierung können Sie hier abrufen.

Die nächste Aufgabe bei der Konzeption ist es, eine Progressionmatritze anzufertigen, bei der festgehalten wird, auf welchen Grundlagen (Begriffe, Theorien, Modelle, Perspektiven, etc.) eine Schulung aufbauen soll. Das ist insbesondere auch wichtig, wenn es vertiefende Schulungen geben soll. Zum Beispiel eine Schulung Grundlegende Gesprächsfertigkeiten (Phase 1 im Bild 3 unten) auf der dann eine Schulung Mitarbeitergespräche erfolgreich führen (Phase 2 im Bild 3 unten) folgt.

Bild 3. Konkrete Ziele, klar verständliche Grundlagen (Phase 1) um Wissen effektiv vertiefen und erweitern zu können (Phase 2) ((c) J. Friedl).

Aus den Merkmalen 1 bis 3 lässt sich folgender Leitfaden für die Konzeption eines pädagogischen und effektiven Schulungskonzeptes zusammenfassen:

Leitfaden: Einen konkreten aber variationsreichen Ausbildungsweg mit konkreten Zielen basierend auf klar verständlichen Grundlagen schaffen.

Eine Auswahl mit Themenbereichen die in diesem Schulungskonzept eingingen, sehen Sie unter + Schulungen in psychologischer Kompetenz.

Ein Beispiel wie ich mit Inclusive Course Design gearbeitet habe, finden Sie unter + Diversität, Identität und Inklusion.

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Sollten Sie Fragen oder Anregungen haben, dann schreiben Sie mir. Ich freue mich auf konstruktive Fragen und/oder Feedback.

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